Montagsrunde am 19. Juli - "Flurfunk goes Social Media"

Am 19. Juli ist es wieder soweit. Die allmonatliche #Montagsrunde wird ab 20.00 Uhr stattfinden. Ich habe die Ehre zu moderieren und somit ist der Titel am kommenden Montag: "Flurfunk goes Social Media". Wie bereits angesprochen, glaube ich, dass dieses Thema noch sehr stiefmütterlich behandelt wird, jedoch ein enormes Potential für digitale Kommunikation bietet und das in einer der PR ureigensten Disziplinen.

Ich habe ein paar thematische Aspekte ausgewählt, die ich unbedingt mit Euch diskutieren möchte. Dazu gehören natürlich zuallerst einmal die verschiedenen Tools, die sich für Unternehmen intern anbieten und die Frage, ob es Unternehmen gibt, die für die Nutzung eines Tools wie Yammer besser geeignet sind, als andere. Daran anschließend möchte ich gerne die Frage klären, ob die interne Kommunikation 2.0 nicht viel stärker zum Aufbau einer "Corporate Identity" beitragen kann und ob sich damit nicht auch die PR-Verantwortlichen von Sendern zu Moderatoren wandeln. Dann möchte ich gerne auf die Social Media Guidelines zu sprechen kommen. Provokant gefragt: Machen diese Sinn? Muss alles geregelt werden? Widersprechen sie nicht dem Geiste von Social Media? Zusätzlich ist mir in den letzten Tagen eine neue Thematik in den Sinn gekommen: Wenn man davon ausgeht, dass immer mehr "digital natives" alsbald in Unternhemen beruflich einsteigen wollen, diese nun aber ganz andere kommunikative Vorstellungen haben als viele Konzerne, inwiefern ist dann nicht ein liberaler Umgang mit Social Media und die Implementierung von Social Media als Teil der internen Kommunikation auch ein Argument, um fähigen Nachwuchs für das eigene Unternehmen zu begeistern? Wer möchte in Zukunft einen Arbeitgeber wählen, der es Mitarbeitern verbietet in der Konerzenzentrale bei Foursquare einzuchecken, zu twittern und zu bloggen?

 

Fragen über Fragen also, die vermutlich noch eine Dienstags- und Mittwochsrunde bräuchten, um vollständig geklärt zu werden. Aber ich freue mich vor allem über Eure Impulse und thematischen Einwürfe, auf die wir dann im Laufe der Diskussion eingehen werden. Der Livestreamlink ist: http://www.ustream.tv/channel/montagsrunde19-7

 

Wer sich ein wenig mit dem Thema auseinandersetzen möchte, dem seien folgende Beiträge ans Herz gelegt:

 

Sozialstation - Ein Beitrag über interne Kommunikation im Web 2.0 beim PR-Magazin: http://www.socialmedia-tagung.de/pr0910_s26-s31.pdf

 

Wie Social Media die PR zur internen Kommunikation zwingt: http://www.massenpublikum.de/blog/?p=1515 

 

Internes Micro-Blogging bei t3n: http://t3n.de/news/erfahrungsbericht-internes-microblogging-274114/

 

 Web 2.0 im Unternehmen - Beitrag der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf: http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/infowiss/admin/public_dateien/files/1/...

 

Und als Fallbeispiele:

 

How best buy energzied 170000 Employess with social media: http://www.jeffbullas.com/2010/05/26/how-best-buy-energized-170000-employees-...

Dell: Bloggig idea storm to employee storm: http://www.socialmediaonline.com/dell-blogging-idea-storm-to-employee-storm/

Virgin Media: How to use social media as a key part of internal communications: http://blog.sironaconsulting.com/sironasays/2010/03/case-study-of-how-virgin-...

Man kan nicht nicht kommunizieren: Fazit einer ersten halben Woche als Smartphone-Nutzer

Der erste eigene Computer. Bei mir war es ein Compaq Presario mit stolzen 450 Mhz, Pentium III (!!!) und sogar 128 MB Ram, dazu eine rasante ATI Rage Grafikkarte. Vier Jahre später durchbrach ich mit einem HP die magische Grenze: 1,1 Ghz, was war das toll. Und heute besitze ich nun eine stolze halbe Woche ein Handy, das HTC Desire nämlich, das soviel Technik in sich trägt wie Computer von damals und das auf 9,4 cm und komprimiert auf 135 Gramm. Wahnsinn! Das Desire als Smartphone der neuesten Generation setzt auf das Google-Betriebssystem Android und ermöglicht somit mobiles Kommunizieren über Social Networks und das in rasanter Geschwindigkeit.

Mein Eindruck nach der ersten Ausprobierphase, mag schon mehrfach beschrieben worden sein, dennoch möchte ich ein kurzes Resumee wagen:

 

1. Konvergenz

Aufgefallen ist mir, dass dieses Gerät viele herkömmliche Geräte überflüssig macht und machen wird. Passend dazu lief gestern im Fernsehen ein Beitrag über Wandercomputer. Das sind mobile Navigationsgeräte, die basierend auf Wanderkarten den rechten Weg weisen sollen. Das kann jedes Smartphone mit dem passenden App mittlerweile. Eieruhr und Wecker sind schon mit den ersten Handys überflüssig geworden. Ich brauche keinen MP3-Player mehr, kein Radio, keine Fotokamera, keine Videokamera, keinen Kompass, keinen Jogging-Counter, kein Tachometer, womöglich bald auch keine gedruckte Zeitung!? Seit dem ich den RSS-Reader des "Desire" ausprobiert habe und damit die extrem schnellen Ladezeiten von Internetseiten und die angepasste Textwiedergabe von Seiten wie Spiegel Online, weiß ich auch nicht mehr, warum man ein iPad braucht. Der hochauflösende Display reicht völlig aus für das Lesen. Sowieso fällt mir bereits jetzt schon auf, dass sich meine Nutzungsgewohnheit ändert. Emails empfangen und schreiben via Smartphone ist kinderleicht, surfen ebenfalls, Hootsuite (eine Twitter-Anwendung) funktioniert ebenfalls und Foursquare kann ohnehin nur mit Smartphone genutzt werden. Wozu also noch Notebooks? Eigentlich nur noch zum Schreiben und Lesen sehr viel längerer Texte.

 

2. Netbooks werden überflüssig

Experten gehen davon aus, dass Netbooks nur ein Übergangsphänomen seien werden. Das kann ich mir nur allzu gut vorstellen. Der eigentliche Vorteil im Vergleich zu Notebooks ist die Handlich-und Leichtigkeit. Wer sich an die Tastatur eines Smartphones (die immer besser werden) gewöhnt hat, der braucht jedoch eigentlich kein Netbook mehr. Mit mehreren Gigabyte Speicher, einem USB Ausgang und dem Zugang zum Internet und der möglichen Nutzung des Drop-Box-Apps habe ich auch auf meinem Smartphone alle Daten immer bei der Hand. Mittlerweile würde ich fast soweit gehen und meine mobile Kommunikation nur noch Smartphone-basiert zu betreiben und womöglich den guten alten (und unglaublich günstigten) Tower-PC als Heim-Basis wieder einführen.

 

3. Das Kommunikationsverhalten ändert sich (mal wieder)

Seit einer halben Woche bin ich nun "Mayor" von Edeka, dem Maschsee, der Südstadt, der Ubahnstation um die Ecke und, Achtung Trommelwirbel, der niedersächsischen Staatskanzlei. Klingt nach Kindergeburtstag für Erwachsene und das ist es ein stückweit auch ganz bestimmt. Programme wie Foursquare und Gowalla verlagern die digitale Kommunikation in die echte Welt. In innovativen Städten wie New York, London, Berlin, Hamburg kann man mit diesen Tools jedoch viel anfangen. Dort gibt es unzählige Nutzer, die ihre Städte digitalisieren und Tipps zu Locations erteilen. Man kann Freunde spontan treffen, man findet sich als Fremder besser zurecht. Sicherlich ist die Interaktivität solcher Anwendungen noch ausbaufähig, dennoch ahne ich bereits jetzt, dass dies die Zukunft sein könnte. Der Satz man kann nicht nicht kommunizieren von Paul Watzlawick stößt hier in ganze neue Dimensionen vor und bringt esauf den Punkt. Der technischen Fortschritt wird dazu führen, dass wir noch viel stärker mobil kommunizieren werden.

 

4. Kritische Aspekte

Ich habe bereits jetzt das Gefühl, dass dieses Smartphone ein externes Gehirn ist. Ich muss mich um nichts mehr kümmern, laufe wie ferngesteuert durch die Gegend und gehorche den Ratschlägen der praktischen Apps. Ich tippe beim App "Wikitude" "Geldautomat" ein und werde per Karte direkt zum Nächsten geführt. Sicherlich, vorher rannte man planlos umher und fand durch Zufall das Zielobjekt. Ein Fortschritt also. Ich sehe nur vielmehr, dass man sich so sehr auf sein Smartphone verlässt, dass man gar nicht mehr notwendigerweise darauf achtet, wo eventuel ein Geldautomat gewesen sein könnte. Der Geldautomat ist dabei Synonym für so ziemlich alles. Der Zwang räumlich zu denken, sich besimmte Sachen einzuprägen oder ohne Denkstütze "offline" zu suchen, ist nicht mehr erforderlich. Das kann dazu führen, dass diese stark vorselektierte Denke sich durchsetzt. Das hat sicherlich auch viele Vorteile, weil man auch lernen muss, die Vorteile von Programmen für sich zu nutzen und sie anzuweisen. Gleichzeitig darf man sich auch fragen, ob es erstrebenswert ist, wenn alle Welt anhand eines Foursquare-Profils einen Eindruck von meinem Leben bekommt. Sicher, man kann auch verdeckt "einchecken", dennoch werden hier Daten generiert, die beängstigend sind.

 

Soweit meine ersten Eindrücke. Es folgt dann in Kürze ein "Must have"-App Beitrag!

 

"Mitarbeiter im Web 2.0" - Montagsrunde am 19. Juli

Vor einem Monat durfte ich der "Montagsrunde" beiwohnen. Das ist eine Arte digitales Schaltgespräch, bei dem ein Moderator ein Thema aufbereitet und die Diskussion mit den Teilnehmern anleitet. Im Juni war dies Daniel Rehn. Und wie der Zufall es so will, wurde der Moderatoren-Kelch prompt an mich weitergereicht.

Das bedeutet nichts anderes, als dass sich in der "Montagsrunde" am 19. Juli (der Montag vorher klappt bei mir leider nicht) alles um den Einsatz moderner Online-Kommunikations-"Tools" im Rahmen interner Kommunikation drehen wird. Das Daimler-Blog (welches ja von Mitarbeitern betrieben wird) hat zwar unlängst "best-practice"-Status erreicht, dennoch habe ich den Eindruck, dass diese überaus spannende Seite der Online-Kommunikation viel zu oft "links liegen gelassen wird". Dabei ist das Anwendungspotenzial immens und reicht von internen Mitarbeiter-Netzwerken über interne Micro-Blogs bis zum Mitarbeiterblog. Dies, die Angst vieler Unternehmen gerade vor einer "Basis-Demokratie" im eigenen Hause, die gewinnbringendsten "Tools", aber auch nochmal ein Blick auf den Sinn und Nutzen von Guidelines, soll diskutiert werden.

 

In einem Blogbeitrag beim PR-Blogger listete Christoph Bauer dazu folgende Vorteile auf, die aufzeigen, welche Wirkung interne Kommunikation auf Web 2.0-Niveau haben kann.

 

1. Es fördert die Transparenz im Unternehmen.  

2. Zielgruppen und Multiplikatoren können gezielter angesprochen und mobilisiert werden.  

3. Der emotionale Zugang zum Unternehmen wird gefördert

 4. Einsichten werden gewonnen und ermöglicht.

5. Die Masse erleichtert Entscheidungen (Crowdsourcing).

6. Kritik existiert auch so (nur an anderer Stelle) 

7. Organisationen bekommen Gesichter 

8. Die interne Kommunikation wird besser

 

Soviel erstmal als Anregung. Einen Fahrplan und ein paar Hintergrundquellen werden zeitnah hier gepostet. Ich freue mich schon auf Euch.

A&B One Camp - Nachwuchsförderung auf Augenhöhe

16 Kommunikationsstudenten aus Deutschland und der Schweiz, drei Berater, ein Geschäftsführer, leckeres Essen. Das waren die wichtigsten Zutaten des "One Camp" der Frankfurter Kommunikationsberatung A&B One. Zusammen mit Kommilitonen von Lingen bis Winterthur, von Dresden bis Mainz hatte auch ich das Glück in diesem Jahr mit von der Partie zu sein.

Das Team von A&B One, die kürzlich als Agentur des Jahres den PR-Report-Award bekamen, veranstalten das "One Camp" einmal pro Jahr. Eingeladen werden ausschließlich Studenten, die an zwei Tagen aktuelle Kommunikationskonzeptionen der Agentur kennenlernen und außerdem in Kleingruppen unterstützt von Beratern eine Kommunikationsstrategie entwickeln.

Somit kamen die diesjährigen Teilnehmer in den Genuss von Marcus Rügamer die "UnternehmerPerspektiven - Initiative für den Mittelstand" der Commerzbank vorgestellt zu bekommen und zu diskutieren.  Hartwin Möhrle, A&B One Geschäftsführer, berichtete, dass "Krisen normal sind" und ließ Einblicke in den Alltag der Krisenkommunikation zu. Die Berater Steffen Zißner und Sibylle Wrona, die vom Standort Berlin angereist waren, stellten die Kampagne "3000 Schritte extra" (für das Gesundheitsministerium) und die Kommunikationsarbeit im Rahmen der Bildungsprämien-Bekanntmachung vor.

Im Anschluss mussten auch wir Teilnehmer etwas leisten. Anhand des echten Briefings der Ausschreibung des Kommunikationsetats für die Frauenfußball-WM der Stadt Frankfurt, durften wir loslegen. Die Resultate in Kurzform: "Anpfifff - Frankfurt, Frauen, Fußball" - "Kick it like Frankfurt" und "Dein Tor für Frankfurt 2011". Als Vergleichsmaßstab präsentierte Hartwin Möhrle uns das A&B One-Konzept. Mein Vergleichs-Fazit: Wir sind nur Studenten und die anderen die alten Hasen, wenngleich auch diese ihren Slogan "Hier trifft sich die Welt - Frankfurt 2011" nicht als den "größten Wurf aller Zeiten" ansahen. Besonders gefiel mir am A&B One-Konzept die Twitterwall, die während der Frauen-Fußball-WM auf dem Bahnhofsvorplatz in Frankfurt aufgebaut werden sollte. Abschließend gab es noch einmal einen Einblick in die Praxis, den Steffen Zißner in Form einer Kampagne für die Bono- und Bob Geldorf-Initiative "One" veranschaulichte. Großartig empfand ich dabei die Idee, Bono als abgehalfterten Straßenmusikant guerilla-mäßig in Berlin in Szene zu setzen.

Onecamp

Nun aber endlich ein paar Worte abseits der nüchternen Protokollierung der Ereignisse. Ich finde es toll, dass A&B One dem Nachwuchs diesen Einblick ermöglicht und empfand gerade die Art des Umgangs äußerst sympathisch. Wann hat man schon die Möglichkeit mit echten Beratungs-Profis derart ins Gespräch zu kommen? Wie ernst A&B One diese Veranstaltung nimmt, konnte man auch daran ablesen, dass nicht Junior-Berater oder Trainees die bunten Best-practice-Fälle präsentierten, sondern Teile der Geschäftsführung und Senior-Berater höchst persönlich ein Wochenende "opferten". Klar, A&B One folgt keinen altruistischen Beweggründen, sondern möchte natürlich fähige Nachwuchsköpfe an sich binden. Das finde ich jedoch mehr als berechtigt, wenn dies derart dezent geschieht und man soviel geboten bekommt und außer An- und Abreise sich um nichts kümmern muss. Wenn man dann auch noch mit 14 (David, dich kannte ich ja schon) neuen Gesichtern nach Workshop-Feierabend das Schweizer-Straßen-Fest kennenlernen kann und merkt, dass Frankfurt ja gar nicht so schlimm ist, wie es oft gesagt wird, dann muss man wohl wunschlos glücklich sein. Einziger Wermutstropfen: Mir ist keine andere Agentur bekannt, die ein derartiges Angebot für den Nachwuchs auf die Beine stellt. Zur Nachahmung ausdrücklich empfohlen!

 

 

Wulff und Özkan: Politische Kommunikation für Fortgeschrittene

Man stelle sich das mal vor: Angela Merkel entlässt vier Minister. Der Aufschrei wäre wohl riesig, die Regierung in einer Existenzkrise. Vor ein paar Tagen jedoch ersetzt der niedersächsische Ministerpräsident genau vier Minister und stellt stolz das neue Gespann vor: Bernd Althusmann (43), Johanna Wanka (59), Astrid Grotelüschen (45) und Aygül Özkan (38). Gleichzeitig gelingt Wulff und seinem Beraterteam damit ein Coup, der wohl künftig im Lehrbuch Polit-PR zu finden sein müsste.

Denn anstatt sich über die verfahrene Situation und das Eingeständnis des Versagens der Wullfschen Politik zu zerreißen oder über eine Entlassung zu berichten, die zumindest einige Minister schon viel früher hätte ereilen müssen, geht die vermutlich von langer Hand geplante Strategie medial voll auf. Der Grund: Wulff beweist gleich zweimal Zeitgeist und beruft mit Johanna Wanka die erste Ostdeutsche als Landesministerin eines westdeutschen Flächenlandes und mit Aygül Özkan die erste türkischstämmige Ministerin Deutschlands. Er scheint schon mal etwas von Agenda-Setting gehört zu haben: Spiegel Online klatscht „Bravo Herr Wulff“ in Bezug auf die Wanka-Nomminierung, die FAZ spricht von „Wullfs starkem Zug“ und auch für die Frankfurter Rundschau steht der „gelungene Schachzug“ im Vordergrund. Einzig die TAZ frötzelt in Anspielung auf die Tatsache, dass die neue Agrarministerin Grotelüschen der zweitgrößten Mastputenbrüterei Deutschlands in Person ihres Mannes nahesteht, und titelte „Lobbyismus: Wulff holt sich Putenministerin“.

 

Özkan-Ernennung: Kommunikativer Erfolg

Özkan-Ernennung: Kommunikativer Erfolg

Die letzte Nachricht wird zwar auch fein säuberlich im Pressespiegel der Staatskanzlei gelandet sein, schmälert jedoch nicht ansatzweise den kommunikativen Gesamterfolg. Einen gewichtigen Beitrag hat daran vor allem Aygül Özkan, deren Sprecherin Heinke Traeger seit Berufung der neuen Ministerin rund 60 Interviewanfragen pro Tag bearbeiten muss. Özkan hatte sich erdreistet zu fordern, dass Kruzifixe und Kopftücher nichts in staatlichen Schulen zu suchen haben. Daran ist zweierlei erstaunlich: Zum einen reduzierten zahlreiche Medien Özkans Forderung nur auf das Kruzifix-Verbot, was von wenig professioneller Berufsausübung zeugt und zum anderen fordert Özkan etwas, was schon im Jahre 1995 durch das Verfassungsgericht festgestellt worden ist: Im Rahmen der staatlichen Verpflichtung zur Religionsneutralität sind glaubensbezogene Symbole aus Schulen herauszuhalten. Interessant auch, dass dieses Thema letztlich gar nicht in Özkans künftiges Ressort fällt. Und so sitzen die Medien dem nächsten Schachzug auf. Welcher Journalist noch mit dem Gedanken gespielt hatte, die einschneidende Kabinettsumbildung zu beleuchten, hatte jetzt nur noch Özkans Äußerungen und die künstlich konstruierten Schein-Grabenkämpfe der niedersächsischen CDU im Sinn. Und so ersetzen vermeintliche Nebensächlichkeiten, wie Özkans „so wahr mir Gott helfe“ (Warum sollte eine muslimische Ministerin nicht das Recht haben, sich Hilfe von Gott zu erhoffen?) bei der Vereidigung, politische Inhalte.

Was jedoch bleibt: Aygül Özkan ist nun deutschlandweit bekannt. Ein toller Erfolg, denn, mal ehrlich, wer kennt die Sozialministerin von Sachsen-Anhalt? Und frei nach dem Motto „Was schert mich mein Geschwätz von gestern“ wird in Zukunft dieser provozierte Affront vermutlich keine Rolle spielen, jedoch jeder wissen, dass es in Niedersachsen die erste muslimische Ministerin Deutschlands gibt, und wer so vorausschauend war, sie zu berufen.

Die kommunikative Strategie ist voll aufgegangen: Wulff und sein Team haben die Spielregeln der Medien verinnnerlicht. Dies ist spätestens seit der WM-Eröffnung im Jahre 2006 klar, zu der (rein zufällig natürlich) die Beendigung seiner ersten Ehe verkündet wurde. Was folgten waren Homestories mit der BILD, die ihm ebenfalls wohl mehr halfen als schadeten. Darüber kann man sich als politischer Gegner zwar aufregen, muss jedoch anerkennen, dass er um eine derart professionelle politische Kommunikation zu beneiden ist.